Buchhalterseele

Falls ich je in die Verlegenheit kommen sollte, mich zu fragen, wie ich nur habe Buchhalter werden können, hätte ich jetzt die Antwort: Für normale Menschen würde an Unerträglichkeit heranreichen, stundenlang diese endlosen Reihen von Namen, Daten und Fundstellen abzutippen.

Da macht man sich Vorstellungen von heroisch anmutenden Reisen in die Vergangenheit durch die Archive der Zeit (schon klar, nur ein Buchhalter bringt es fertig, die Worte „Archiv“ und „heroisch“ in einem Satz unterzubringen) und dann macht man erst einmal nichts anderes, als das, was man sowieso schon den ganzen Tag macht – endlose Datenreihen abzutippen.

Und dann präsentiert man das ganze stolz der Tochter und die fragt dann erst einmal, wie es sein kann, dass da jemand einen Tag vor seiner Geburt Vater werden kann. Wo die das wohl her hat…

Aber dafür ist der erste Teil erst einmal geschafft. Ein paar Fehler müssen noch korrigiert werden. Ein paar der Bilder, die vom Stammbaum gemacht habe, waren ein wenig unscharf, aber das Groh der Daten ist erfasst. Jetzt müssen die ganzen Dokumente, die Siegbert archiviert hat, mit den Personen und verknüpft werden. Damit bekommt das ganze ein Gesicht – Im wahrsten Sinne des Wortes, denn für einige der Personen gibt es auch Fotos.

Leider sind die Kopien und Bilder, die ich von meinem letzten Besuch aus Bodenfelde mitgebracht habe, qualitativ zu schlecht. Ich werde also nochmal hinfahren und alles noch einmal abfotografieren.

Tipparbeit II

Hier mal ein kurzer Zwischenstand. Inzwischen habe ich – grob geschätzt – knapp zwei Drittel der Daten eingegeben. In Zahlen sind das 370 Personen, 108 Familien und 509 Ereignisse wie Geburts- und Todestage.

Mein Respekt vor meinem Urgroßonkel, oder wie auch immer ich mit ihm verwand bin (ich muss wirklich mal nachsehen), steigt immer mehr. Alle diese Daten wurde in der Prä-Internet-Zeit gesammelt. Keine Möglichkeit, Personen Online zu suchen, keine Register, die Online eingesehen können. Respekt…

Die aktualisierten Daten sind auf die Webplattformen hochgeladen. Viel Spaß beim stöbern.

Fazit I

Zeit für ein erstes Fazit. Seit einer Woche versuche ich nun die Daten in meinen Computer zu hacken. 167 mit Geburts-, Hochzeits- und Todesdaten, Beziehungenzu Ehepartnern und Kindern sind erfasst. Und doch sind es gerade einmal ein und ein halber Stammbaum von insgesamt 13. Es sieht wohl so aus als wäre ich hiermit noch ein wenig länger beschäftigt.

Außerdem habe ich diese Seite aufgesetzt, ein wenig mit dem Layout herumgespielt (ein bisschen Spaß muss ja auch sein), verschiedene Programme ausprobiert, zwei Webservices für den zentralen Zugriff auf die Daten installiert und ein wenig getestet. Ach ja, und in Bodenfelde war ich und bin mit ein paar hundert Bildern von Dokumenten wieder heim gekommen – und mit einem Kopf voller neuer Gedanken und Ideen.

Und dabei wollte ich mich ja eigentlich an die alten, nicht so gut sortierten Daten machen. Die Dokumente aus dem 18. und älteren Jahrhunderten. Nun ja, vor der Kür kommt die Pflicht.

Tipparbeit I

Habe mich entschlossen, zuerst mal die schon strukturiert vorliegenden Daten zu verarbeiten – sprich: Stammbaum abtippen. Ich vermute einmal, dass das Abtippen von Informationen eine sich regelmäßig wiederholende Tätigkeit sein wird, über die ebenso regelmäßig geschrieben werden wird (was meinen Entschluss, diesen ersten Artikel gleich zu nummerieren, später bestimmt einmal als weitsichtig erscheinen läßt…

Dieser, also der Stammbaum, nicht die Weitsichtigkeit, hat seinen Ursprung beim alten Adolf Friedrich Mascher (21.04.1828-21.04.1887) und seiner Frau Marie Catherine Louise, geborene Brunat (12.06.1836-30.03.1856). Beide hatten 16 (sechzehn!) Kinder, deren Nachfahren bis in die siebziger und achtziger Jahre des letzten Jahrhunderts erfasst sind.

Habe bis jetzt diese beiden, deren direkte Kinder und die Nachfahren „meines“ Zweigs eingegeben. Das sind alleine 109 Personen, deren Familienbeziehungen, Geburts- und Todestage sowie Ehepartner und Kinder. 1 down, 15 to go… Eigentlich sind es „nur“ noch 12, denn drei Kinder sind zu früh gestorben um eigene Familien gründen zu können. Das sind aber immer noch einige hundert Personen. Und erfasst sind ja nur Kinder, die bis Anfang der achtziger Jahre geboren wurden. Wie von denen, also uns, die nächsten Generationen erfasst und gepflegt werden sollen, scheint eine größere Aufgabe zu sein.

Wir werden sehen. Konzentrieren wir uns erst einmal auf das, was da ist und machen uns dann Gedanken, wie es weitergehen soll.

Sondierungsaktion

Bin wieder zu Hause. Habe ein wenig recherchiert und mich entschieden die Daten mit der Software Gramps zu verarbeiten. Sie ist kostenlos, quelloffen, wird von vielen empfohlen und bietet genug Schnittstellen um die Daten mit anderer Software und Diensten weiterverarbeiten zu können.

Das Verbindungsglied schein das Exportformat GEDCOM zu sein. Damit sollen sich die Daten komfortabel von einer Software zu anderen übertragen lassen. Hoffe mal, dass das alles so stimmt. Würde mich ungern in eine Einbahnstraße einarbeiten. Bin aber guter Hoffnung, dass das alles funktionieren wird.

Es gibt auch Webdienste, die man selber hosten kann. Bin von der Aufbereitung aber nicht wirklich überzeugt. Aber immerhin können so auch andere von den Daten profitieren. Ich habe Testweise einmal zwei Dienste aufgesetzt:

Ihr könnt ja mal Testen sobald Daten eingepflegt sind und mir berichten, was Euch besser gefällt. Oder Vorschläge zu alternativen machen.Wie gesagt, überzeugt haben mich beide Dienste noch nicht.

So, jetzt aber genug herungespielt, jetzt wird gearbeitet.

Es geht los

Das erste Mal seit Jahren wieder in Bodenfelde. Mann, ist das alles klein hier. Als kleiner Junge sieht die Welt irgendwie größer aus – und geheimnisvoller. Es ist aber noch vieles da – das alte Haus meiner Oma, die Kirche, der Kahlberg, die Weser… Und für die Tochter ist es nur ein Ort unter vielen anderen. Und dazu noch kalt, verregnet und man bekommt nirgends etwas zu Essen. Es ist schon erstaunlich, wie Vergangenheit einen Ort zu mehr als einem Punkt auf der Landkarte machen kann.

Und die Verwandschaft. Man hat sich noch nie wirklich gesehen (und das ist schon einige Jahrzehnte her) und doch ist man sich irgendwie vertraut. Familie scheint etwas besonderes zu sein – und unsere noch ein bisschen besonderer 😉

Wir haben einen tollen Tag verbracht und das erste Mal richtig in der Vergangenheit gestöbert. Aktenweise Dokumente, Aufzeichnungen, Geschichten. Und alles hat etwas mit mir zu tun. Das ist meine Geschichte, meine Vergangenheit. Ein paar Personen kenne ich, von anderen habe ich gehört, die meisten sind mir aber fremd. Und doch geht um Menschen, die mich direkt oder indirekt geprägt haben. Mit ihren Genen und Veranlagungen einerseits, aber auch mit weitervererbten Verhaltensweisen und Marotten – mit Tradition eben.

Neben einem ersten Blick und vielen Eindrücken nehmen wir auch einige hundert Fotos von Geburts- und Sterbeurkunden, Stammbäumen, Beziehungen und Geschichten mit. Und die Erinnerung an einen wundervollen Tag im verregneten Bodenfelde voller Freundlichkeit und Gastfreundschaft. Ich bin gespannt, was sich aus dem alles entwickeln wird.

Was solls

Diese Site soll als Sammelbecken von Informationen, Ideen, Links, Daten und allem anderen, was mit diesem Projekt zusammen hängt, dienen. Es soll aber auch Gedanken dokumentieren, die entstehen, wenn man sich mit solchen Informationen auseinander setzt.

Es soll aber bestimmt nicht aufgeräumt sein. Sondern auch den Fortschritt – und das Fehlen eines solchen – dokumentieren. Es soll einfach wiederspiegeln, was hier so passiert.

Wenn man so will, ist es das Haus, in dem alles was bei diesem Projekt so vorkommt wohnt und verstaut ist.

Das Projekt

Es gibt da irgendwo im Weserbergland einen Stapel Aktenordner, der meine Vergangenheit enthält. Also, nicht meine eigene, sondern, die die Zeigt, wo ich herkomme. In Jahrelanger akribischer Kleinarbeit wurde Schnipsel um Schnipsel meiner Familiengeschichte zusammengetragen, sortiert und präsentiert. Mein Stammbaum, sozusagen. Und das will ich mir jetzt einmal ansehen. Schauen, was man damit anfangen kann. Herausfinden, wie das alles in die moderne Zeit transportiert werden kann, zugänglich für die anderen in der Familie. Vielleicht auch weitersuchen nach Nachkommen – und Vorfahren, der Teil, der mir besonders am Herzen liegt. Wie weit kommen wir in die Vergangenheit.

Aber erst einmal sehen, was da ist. Nicht gleich überstürzen und sich vor Begeisterung verrennen. Überlegen, wie die Informationen aufbereitet werden können, so dass sie auch weiterverarbeitet und weitergegeben werden können. Gibt es Standards, Schnittstellen, standardisierte Exportschnittstellen? Gibt es Software, die die Arbeit erleichtert? wie können die Daten so verbreitet werden, dass alle etwas davon haben, in der Vergangenheit stöbern, sich begeistern lassen. Gibt es Webservices, die selber betrieben werden können, ohne einem Anbieter gleich alle Daten ins Maul zu werfen.

Aber jetzt ersteinmal Anfangen, hinfahren, schauen und dann sehen, wie es weitergeht.

Ich bin wirklich gespannt!